Hallo Ihr zwei,
wir sind wieder wohlbehalten zu Hause angekommen.
Voller Tatendrang dann gestern zu meinen Reitschülern gefahren, selbstverständlich wichtig mit Stäbchen und Meridian-Atlas bewaffnet. Der Ordner wurde mir dann auch sofort aus den Händen gerissen und Eure Meridian-Tafeln mit Pipo als Fotomodell allseits bestaunt und für sehr gut befunden.
Also Stäbchen gezückt und zwischen laut kreischenden Kindern, kläffenden Kötern, zugigen Stallungen und jeder Menge gackernder Reitschülerinnen in Kaffeelaune (doch der Profi lässt sich von solch widrigen Umständen kaum beeindrucken) dem ersten Pferd in aller Ruhe den Dickdarm-Meridian gezogen, weil Hafi gerne mal mit 120 kg auf dem Zügel liegt.
Das Stäbchen gleitet allein übers Fell und findet zielsicher wie eine abgeschossene Cruise Missiles den Nasenlippenheber. Das war ja einfach!
Die Reitschülerin schafft es, mich 4 Runden lang im Trab auf dem Zirkel zu umkreisen (bislang gelangen nur ein paar Tritte, bevor wieder alles hinüber war) und trägt ein breites Grinsen im Gesicht. Da kann man doch bereits von einem meßbaren Erfolg sprechen.
Auf in die zweite Runde. Ich entscheide mich spontan für den Gallen-Meridian zwecks des sich an den Zügel streckens. Schrab schrab schrab, fertig ist die Zeichnung auf dem Fell - ab auf den Reitplatz. Die Reiterin ist entzückt, ich erstaunt, zeigt doch dieses Brett von Pferd heute zum ersten Mal leichte Ansätze eines losgelassenen schwingenden Rückens.
Die Euphorie kennt bereits keine Grenzen mehr, die Damen sind im Meridian-Fieber.
Neues Pferd, neues Glück, Dickdarm ist wieder gefragt. Vollblutstute stolpert oft und drückt wie Hafi ebenfalls gerne mit 120 kg auf die Hand. Ich fange also an und ziehe und ziehe und ziehe. Die Stute steht wie eine Eins, zeigt aber sonst keinerlei Reaktionen. Ein leichter Zweifel nagt an mir (richtiger Meridian?), den ich aber gekonnt beseite schiebe. Ich ziehe also in aller Ruhe weiter meinen Dickdarm, bis das Pferdchen endlich ein wenig abkaut. Puh, geschafft. Auf der anderen Seite das gleiche Spiel, viele Durchgänge sind nötig, bis Sabredina abkaut.
Auf dem Sattel sitzt eine Reiterin, die bis über beide Ohren grinst. Sie hat nichts in der Hand und das Stütchen stolpert kein einziges Mal in diesen 30 min. Unterricht - weder im Schritt noch im Trab!!! Ich schlucke, bin ich doch sehr gerührt, was so ein einzelner Strich bewirken kann.
Doch nun der Hammer!!!
Isländer-Hafi-Mix. Ganz liebes und nettes Pferd mit ebenso lieber und netter Reiterin, die nur ein bißchen rumgetragen werden möchte. Doch mords Unterhals - ergo: Dickdarm! Ich ziehe einmal Dickdarm, Pferd kaut ab. Auf der anderen Seite, einmal Dickdarm, Pferd kaut ab. Ich denke, na ja, was soll das nun schon bewirkt haben. Wir reiten los, ein paar Runden im Schritt, Pferd wirkt locker und entspannt. Wenn das so ist, dann noch ein bißchen Trab. Die Reiterin trabt an. Ich schaue, ich schaue nochmal, ich schaue schräg, ich schaue grad, ich schaue intensiv, ich schaue die Reiterin an, die Reiterin schaut mich an. Wir sind uns einig, wie geil ist das denn? Ich rufe die anderen herbei, was völlig unnötig ist, denn die kommen bereits angelaufen. Nun schauen alle, während der Isi bereits seit mehreren Minuten in perfekter Dehnungshaltung vollkommen ruhig und locker seine Runden im Trab läuft. Von Unterhals keine Spur - nichts - da ist nichts!!!
Die Reiterin, die sonst nur ein bis zwei Runden schafft, weil das Pferd bislang nur einen hölzernen Trab geht, gleitet nun schon seit Minuten auf dem Platz dahin. Ich musste ihr regelrecht nahe legen, dass für heute auch mal wieder gut sei.
DANKE DANKE DANKE, das war ein toller Kurs und jetzt muss ich los, weil ich heute mal zwei richtige Behandlungen habe. Schon sehr gespannt bin.
Gaaaaanz liebe Grüße aus Stutensee
Eure Andrea